Das Leitbild eines System der Selbsterhaltung

Über die Verbindung von Einheit und Vielfalt

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Die Selbsterhaltung (Self-Preservation) ist für mich ein Ideal, dass alle Kampfkünstler von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus gemeinsam anstreben können. Praktisch verwirklicht wird das Ideal in dem Maße, in dem in der konkreten Situation alle bewährten Taktiken und Techniken genutzt werden, um im einzelnen Fall das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Verletzt wird das Ideal immer dann, wenn eigentlich vorhandene und bewährte Taktiken und Techniken aufgrund der theoretischen oder traditionellen Auffassung des Anwenders nicht genutzt werden. Die einzelnen Kampfkünste erhalten die Einheit, welche die Grundlage ihrer Identität ausmacht, auf Kosten der Vielfalt. Die vielfältigen Möglichkeiten zur Selbsterhaltung werden zu Lasten der eigenen Gesundheit nicht ausgeschöpft. Selbsterhaltung dagegen ist gekennzeichnet durch eine die Grenzen der etablierten Kampfkünste überschreitende Vielfalt an kampftaktischen Vorgehensweisen. Muss die erwünschte Vielfalt erkauft werden mit dem Verlust der Einheit? Was kann die Vielfalt zusammenhalten? Es ist offensichtlich, das das Ideal der Selbsterhaltung nicht einfach als eine Addition aller Kampfkunsttechniken und Konzepte verstanden werden kann. Ohne eine eigene konzeptuelle Basis, welche die Vielfalt zu einer neuen Einheit verbindet, bliebe das Ideal der Selbsterhaltung nicht zu verwirklichen. Es muss also zunächst die Frage nach der konzeptuellen Grundlage für die praktische Selbsterhaltung beantwortet werden. Diese Frage stellt sich am schärfsten in der Ausbildung von Schülern. Wenn wir Schüler dazu anleiten wollen, alle physiologischen und psychologischen Möglichkeiten

der Selbsterhaltung für ihr eigenes Überleben zu berücksichtigen, können wir uns nicht darauf beschränken, sie in der Beherrschung dieser Möglichkeiten auszubilden. Für seine Entscheidung, wann er welches Vorgehen wählt, ist ein Schüler auf Konzepte angewiesen. In der konkreten Praxis mögen die meisten Kampfkünstler ihre Konzepte oft implizit verwenden. In der Ausbildung kommen wir aber nicht darum herum, explizite theoretische Konzepte zu vermitteln. Theoretische Konzepte, die zur Nutzung aller Selbsterhaltungsmöglichkeiten anleiten sollen, müssen eine größere Reichweite haben, als die theoretischen Konzepte der einzelnen Kampfkünste oder Stile. Reine Selbsterhaltung braucht also eine die bestehenden Kampfstile übergreifende theoretische Grundlage. Aus ihr sollten idealerweise alle nachweislich wirksamen Vorgehensweisen ableitbar und in ihrer Wirkung erklärbar sein.

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