"Ertrinken auf Asphalt" - Konsequenzen der Naivität

Ein Rettungsdiensteinsatz, der sich im vergangenen Jahr in meiner Heimatstadt abspielte, animierte mich dazu, die Thematik der Selbsterhaltung einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

(Osthessen-News)
10.06.08- Maintal- Ein 15-jähriger Junge aus Mühlheim ist am heutigen Dienstagabend bei der Suche nach einem ins Wasser gefallenen Fußballs im Main ertrunken. Er konnte später nur noch tot aus dem Fluss geborgen werden.

Durch meine langjährige Tätigkeit als Rettungsschwimmausbilder und aktiver Helfer im Wasserrettungsdienst, sind mir die Fakten aus dem Bereich bekannt.
Bundesweit können ein Drittel der Kinder im Alter von 12 Jahren nicht schwimmen, Pädagogen schlagen seit Jahren Alarm.
Um diese traurige Tatsache stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken, starteten viele Schwimmverbände Projekte und Initiativen.

"Kinder müssen schwimmen lernen!"

Kinder sollten ohne sichere Schwimmfähigkeiten nicht unbeaufsichtigt am Wasser zurückgelassen werden. Im Alter zwischen 5 und 8 Jahren sollten Kinder das Schwimmen lernen um dadurch vor dem Ertrinken geschützt zu werden.
Nur wenn Kinder früh mit den Gefahrensituationen an Gewässern vertraut gemacht werden, können sie Gefahren richtig

abschätzen und so vermeiden in lebensbedrohliche Situationen zu geraten.
Je früher Kinder sich an das Element Wasser gewöhnen, desto besser.
Experten raten daher, Eltern sollten möglichst früh viel Zeit mit ihrem Nachwuchs im Wasser verbringen. Baby- und Säuglingsschwimmen ab dem vierten Lebensmonat soll den jungen Menschen an das Wasser gewöhnen.
Fest steht, Schwimmen stärkt nicht nur das Selbstvertrauen sondern rettet Leben - das eigene und manchmal auch das Leben anderer.

All diese Aussagen kann ich nur unterstützen, doch schauen wir uns die Zahlen einmal genauer an.
2008 ertranken in Deutschland insgesamt 475 Personen, eine erschreckende Zahl...
Dieser Zahl gegenüber stehen insgesamt 210.885 Gewaltdelikte, die 2008 in Deutschland registriert wurden, die Dunkelziffer ist weitaus höher. Zu den Gewaltdelikten zählen Straftaten wie Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raubdelikte, Menschenraub und Geiselnahmen etc.

Frühzeitig schwimmen zu lernen gehört zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen vor Ertrinkungsunfällen, in diesem Punkt sind sich alle einig. Doch kann nicht auch eine Heranführung bzw. eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit dem rauen "Gesetz des Stärkeren", einen Menschen vor dem "Ertrinken auf dem Asphalt" schützen?

 
Alexander Bankovski

(Polizeiliche Kriminalstatistik 2010)

 

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