Spiritualität und Selbsterhaltung

Wie entwickelt sich das Bewusstsein eines Menschen, dessen Streben und Denken einzig der Praxistauglichkeit, Effizienz und Effektivität seines Kampfsystems gilt? Diese Frage stellen sich viele Interessenten, wenn sie zum ersten Mal mit dem Gedanken an realitätsnahe und brutale Gewaltdelikte konfrontiert werden. Was geschieht im Inneren des Menschen bei der Konfrontation mit Gewalt, gewaltsamen Vorstellungen und brutalen Szenarios? Zweifelsohne werden unvorbereitete Menschen während und nach einer unerwartet heftigen gewaltsamen Auseinandersetzung erheblichen Schaden nehmen. Man muss die Gefahr kennen und die Angst vor ihr verlieren, um mit ihr entsprechend umgehen zu können. Man kann hier folglich von einer Desensibilisierung, ja sogar Abstumpfung, gegenüber solchen Situationen sprechen. Wie wirkt sich solch eine Entwicklung auf das Wesen des Menschen aus?
Durch meine langjährige Auseinandersetzung mit dieser Thematik, zahlreichen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen, kann ich sagen, dass die persönliche Entwicklung erheblich von der inneren Einstellung, der Absicht und dem individuellen Reifegrad der Person abhängt.
Menschen, die über einen längeren Zeitraum mit bloßer Gewalt konfrontiert werden, ohne dabei durch gezielte Anleitung oder durch bewusste Selbsterkenntnisprozesse an höhere Beweggründe und spirituelle Denk- und Handlungsweisen herangeführt zu werden, erfahren mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verarmung an geistigen und seelischen Werten. Der Umgang mit einem so direkten und erbarmungslosen Nahkampfsystem erfordert ein erhöhtes Verantwortungsbewusstsein in Verbindung mit einer gefestigten persönlichen Zuverlässigkeit.

Ich konnte auf meinem Weg in der Welt der Kampfkünste in den allermeisten Fällen eine positive psychische und spirituelle Weiterentwicklung der Persönlichkeit von Schülern beobachten.
Ist eine positive Persönlichkeitsentwicklung mit dem Erlernen eines kompromisslos kaltblütigen Nahkampfsystems in Einklang zu bringen?
Meiner Erfahrung nach ist es möglich. Dies setzt jedoch eine ausgeprägte Selbstbeobachtungsgabe des Schülers und eine tiefgründige Empathie des Ausbilders voraus.
Tommy R. Franks, ehemaliger General der US Army sagte: "Niemand hasst den Krieg so sehr wie ein Soldat." Wer die Grausamkeiten von Kriegshandlungen erfahren musste, wird meist zum Pazifisten und lebt diese Einstellung im Gegensatz zu Menschen, die nur über Pazifismus reden.
Wer sich bewusst mit der Welt der Gewalt auseinandersetzt, wird schlussendlich Hüter des Friedens, denn wie schon ein altes chinesisches Sprichwort besagt: Wer lange krank ist, wird selbst zum Arzt.
Das ist die Essenz des Bushido (Weg des Kriegers), das meinte SunBin, als er vor fast 2400 Jahren schrieb:
"Der Kriegsabscheu ist das höchste militärische Prinzip".
Wir lernen folglich die Kunst des Kampfes, um nicht kämpfen zu müssen. Das ist Selbsterhaltung. Diesen Entwicklungsprozess mental zu verstehen ist eine Sache, ihn zu durchleben eine andere.


Si vis pacem para bellum
 
Alexander Bankovski

 

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