Der vergessene Ursprung - Über die Degeneration der Kampfkunst

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Einer meiner früheren WT Ausbilder führte mich eines Abends vor seine Trainingsgruppe und stellte mir folgende Frage: "Schau dir diese Leute an, glaubst du von denen interessiert sich jemand für das, wonach du suchst - den wahren Kampf?"

Sicherlich betreiben die meisten Kampfsportler heutzutage ihre Kunst nicht nur vor dem Hintergrund des Kampfes, sondern nutzen die zahlreichen positiven Auswirkungen, dennoch stelle ich bewusst die kritische Frage: "Welcher Kampfkünstler beginnt seine Ausbildung, ohne daran zu denken?" Das moderne WingTsun, besonders in Deutschland, distanziert sich offenkundig durch öffentliche Äußerungen hochgraduierter Ausbilder von herkömmlichen Kampfsportarten und präsentiert sich als modernes, realistisches Selbstverteidigungssystem. Diese Tatsache erübrigt die Frage nach dem Ziel des Trainings.
SiGung K.R. Kernspecht, den ich neben anderen namenhaften Persönlichkeiten öfters zitieren werde, brachte es auf den Punkt:
"Heute macht man Wing Chun oft nur noch, um Wing Chun zu machen."

Das wahre Wesen des Kampfes wird weder in der Theorie noch in der Praxis unterrichtet, da die meisten Menschen panisch und entsetzt bei einer Konfrontation mit der Wahrheit reagieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass fast jeder Kampfsportler oder Kampfkünstler, sich seiner Kunst in erster Linie widmet, um sich verteidigen zu können, alle anderen so oft aufgezählten Gründe sind wohl sekundär, oder

würdest du, lieber Leser, das Training einer bestimmten Kunst beginnen, wenn der Meister dir vor dem Training sagt: "Unsere Methode ist veraltet und für die heutige Zeit untauglich, wir versuchen unser Bestes, die alten Traditionen zu erhalten und dem ganzen entgegenzuwirken, aber es bleibt eine veraltete Kunst!" Würden sie das Training beginnen?
Kein Sifu würde diesen Satz über seine eigene Kampfkunst sagen, da er in 99% der Fälle mit der Realität selbst nicht vertraut ist und es auch nicht sein möchte. Er möchte Geld verdienen und freut sich als Geschäftsmann über jahrzehntelange Ausbildungszeiten.

Ich war und bin auf der Suche nach dem ursprünglichen Sinn einer jeden Kampfkunst - nämlich dem des Kampfes selbst. Kampfkunst oder die Kunst des Kämpfens bedeutet auf englisch "Martial Arts" (Kriegskunst). Mit diesem Begriff haben 95% der heutigen Kampfsportarten nichts mehr zu tun. Kampfsportarten waren einst Kampfkünste und hatten zu ihrer Entstehungszeit dasselbe Ziel. Ich möchte an dieser Stelle zwei Beispiele nennen und greife hierzu zwei stark kritisierte Systeme der heutigen Zeit auf, die von heutigen Kampfsportlern als ineffektiv oder unrealistisch bezeichnet werden. Beginnen möchte ich mit der wohl bekanntesten Kampfkunst, dem Karate.

Karate(do) bedeutet übersetzt: "Der Weg der leeren Hand". Diese Kampfkunst entstand auf Okinawa, einer der südlichsten Inseln Japans. Es entstand aus dem chinesischen Shaolin Quanfa (Kempo), das auch oft als das ursprüngliche GongFu bezeichnet wird, welches

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