Kampfkunst heute und der Ballast der Vergangenheit

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Es scheint für viele Kampfkünstler nicht mehr vorstellbar, dass es Menschen gibt, denen Traditionen gleichgültig sind und für die einzig und allein das Ergebnis bzw. der Erfolg entscheidend ist.

Erfolg definiert sich im Wesentlichen durch zwei Begriffe: der Effektivität und der Effizienz.

Was aber bedeutet Effektivität? Effektivität ist die Wirksamkeit. Durch eine effektive Handlung wird ein Ziel erreicht, weshalb effektives Handeln auch als "das richtige Tun" bezeichnet werden kann. Wenn jetzt bereits "das richtige Tun" erfolgt, schließt sich logischerweise der zweite Schritt an, "es richtig zu tun". Dies ist mit Effizienz bzw. Aufwandsoptimierung gemeint, die bei fast keiner Kampfsportart oder Kampfkunst verankert ist. Ist eine fortgeschrittene Aikidotechnik, die den Gegner nach unzähligen Bewegungen und Drehungen durch einen Hebel auf dem Boden katapultiert, effektiv? Selbstverständlich ist diese Technik effektiv! (wenn der Gegner in einem Hebel am Boden endet...). Ist sie aber auch effizient? Der effiziente Kämpfer und Denker versucht mit so wenig Aufwand wie nötig, das größtmögliche Resultat zu erzielen. Deshalb wird Effizienz auch als "Faulheit der Intelligenten" bezeichnet. Effizienz ist ohne eine flexible mentale Einstellung nicht erreichbar.

Effektivität bedeutet folglich, die richtigen Dinge zu tun, und Effizienz, die Dinge richtig zu tun. Die meisten Kampfkünstler beschäftigen sich damit, die Dinge richtig zu tun, fragen sich dabei aber nicht, ob sie überhaupt die richtigen Dinge tun, und diejenigen, die

die richtigen Dinge tun, fragen sich nur selten, ob sie es richtig tun.

Was jedoch hemmt den Fortschritt und hat zu einer derartigen Degeneration und Verkümmerung der Kampfkünste geführt?
Überall - in fast allen so genannten Branchen der Welt - sind Fortschritte zu verzeichnen, warum nicht auch in der Welt der Kampfkunst? Diese Entwicklung findet ihre Wurzeln größtenteils im mangelnden Wissen der heutigen Trainer und "Meister", die in unflexiblen und unangepassten Denkschablonen ihrer Kampfkünste hängengeblieben sind. Aus heutiger Sicht - aus dem Blickwinkel der schnelllebigen Zeit - verkaufen sie stumpfe Klingen als scharfe Waffen. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Diese Denkweise trifft besonders auf asiatische Kampfkünste zu, in denen das krampfhafte Festhalten an Jahrhunderte alten Traditionen ohne realitätsbezogene Anpassungsprozesse auf der Tagesordnung steht. Ein Umdenken ist dort schlicht und einfach nicht erwünscht. Ich stellte mir immer wieder die Frage, warum ich mich heute mit einer 5000 Jahre alten Kunst verteidigen soll? Selbstverständlich kann ich auch heute mit einem Auto von 1920 fahren, dies tue ich, wenn ich ein Oldtimer-Liebhaber bin, nicht aber, wenn ich mein Fahrzeug dazu nutzen möchte, wozu Fahrzeuge ursprünglich geschaffen wurden, nämlich um als Nutzfahrzeug zu dienen.
Warum soll ich mich heute mit Einer 500 Jahre alten Kampfkunst zur Wehr setzen? Um Traditionen aufrecht zu erhalten?

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